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Wood Mackenzie: Europa ist ein Nachzügler in der Speicherpolitik

Vor einigen Jahren war Europa noch führend beim Ausbau von Speichern, doch nach den Analysten von Wood Mackenzie wird der Kontinent bald von den USA und China überholt werden, was vor allem auf unterschiedliche politische Ansätze auf beiden Seiten des Atlantiks zurückzuführen ist.

Ein komplett erneuerbares Energiesystem erfordert Speicher. Doch die Geschwindigkeit, mit der solche Anlagen installiert werden, ist sehr unterschiedlich und hängt von den regionalpolitischen Rahmenbedingungen ab. Die Analysten von Wood Mackenzie haben den weltweiten Einsatz von Speicheranlagen prognostiziert und geben an, dass die führende Rolle Europas vor dem Hintergrund einer effektiveren Politik auf den US-amerikanischen und chinesischen Märkten schwindet.

Nach der Analyse von Wood Mackenzie schaffen die Regularien in den USA ein besseres Geschäftsumfeld für Batteriespeicher, um diese an Kapazitäts- und Netzdienstleistungsmärkten zu nutzen. Während Europa im Jahr 2014 noch 44 Prozent der globalen Energiespeicherkapazität errichtete, sei diese Zahl im vergangenen Jahr auf 30 Prozent gesunken. Nach der Analyse wird sich diese Entwicklung nicht ändern, da Europa im Jahr 2025 nur 20 Prozent und im Jahr 2030 nur noch 13 Prozent der global installierten Anlagen ausmachen wird.

Das bleibt so trotz des relativ hohen Verbreitungsgrades erneuerbarer Energien in Europa, so die Analysten. Woodmac betrachtete die diesjährigen Strompreise am Spotmarkt unter Berücksichtigung des Anteils der erneuerbaren Energien an der Gesamtsystemlast in Spanien, Großbritannien, Italien und Deutschland. In Italien und Großbritannien bewegten sich die Strompreise gegen Null oder sogar in den negativen Bereich, wenn Sonne und Wind zusammen mindestens 60 Prozent der gesamten Systemlast ausmachten. In Deutschland und Spanien lag die Schwelle mit 80 Prozent etwas höher.

Flexibilität

„Die Energiespeicherung wird bei der Bewältigung dieser Herausforderung an vorderster Front stehen, da die Technologie die dringend benötigte Flexibilität mit Null-Kohlenstoff-Emissionen bieten und gleichzeitig die Strompreise stabiler und für den Endverbraucher erschwinglicher halten kann“, sagte Woodmac-Chefanalyst Rory McCarthy. Die USA scheinen den richtigen Weg zur Bewältigung dieser Herausforderung zu beschreiten. Woodmac prognostiziert, dass das Land bis 2030 ganze 49 Prozent der kumulativen Energiespeicherkapazität der Welt auf sich vereinen wird.

„Warum hat dieser Markt eine so volle Auftragsbücher“, fragte McCarthy. „Heute wird er durch Beschaffungsprogramme für Versorgungsunternehmen und eine großzügige ITC [bundesstaatliche Investitionssteuergutschrift] angetrieben… Vielleicht ist der Effekt seiner Regulierungsstruktur weniger offensichtlich. Vertikal integrierte Versorgungsunternehmen – diejenigen, die Einzelhändler, Netzbetreiber und Erzeuger unter derselben Organisation sein können – bedienen einen großen Teil der US-Verbraucher.“

Woodmac erklärte weiter, dass der Einsatz von Energiespeichern in Europa von der Zustimmung der Marktteilnehmer auf mehreren Ebenen abhängt. Im Gegensatz dazu können Versorgungsunternehmen in den USA eine Top-Down-Bewertung ihrer jeweiligen Systeme vornehmen und die günstigste und utilitaristischste Technologie unter Berücksichtigung des gesamten Systems beschaffen. Den Analysten zufolge haben die US-Versorgungsunternehmen infolgedessen schneller auf Batteriespeicher zurückgegriffen, um Gaskraftwerke als alternative Flexibilitätstechnologie abzulösen. 

In Europa hingegen gelten Batteriespeicher als Erzeugungsanlagen und können als solche nicht in den Besitz von Netzbetreibern übergehen, da die Europäische Union die Unbundling Regeln auf seine Netze angewandt hat. Diese Regeln sollten den Wettbewerb durch die Vermeidung von Monopolen fördern und letztlich die Energiepreise für den Endverbraucher senken. Die Vorschriften erhöhen jedoch auch logistische und finanzielle Hindernisse für einen schnellen Marktzugang für Front-of-Meter-Speichersysteme.

Fortschritt

„Die Europäische Kommission fordert nun durch ihr Clean Energy Package eine faire Beteiligung der Energiespeicherung an den Kapazitäts- und Netzdienstleistungsmärkten, was ein Fortschritt ist“, sagte McCarthy. „Im Gegensatz zu den Handelsmöglichkeiten, die den Wert eines Stromabnahmevertrag für Versorgungsunternehmen in den USA stärken können, werden diese jedoch weiterhin Teil des zentralen Wertversprechens der Batteriespeicher sein, entweder als kleine Märkte, die schnell gesättigt sind – wie bei den Frequenzauktionen in Großbritannien und Deutschland zu sehen war – oder für Anlagen, die in erster Linie Energie und nicht Strom oder Kapazitätsdienstleistungen verkaufen.“

Woodmac merkt an, dass der finanzielle Ertrag für die Flexibilität, die von europäischen Regierungen geführten Auktionen geboten wird, zu gering sei, was das Fehlen einer robusten Entwicklungspipeline für Energiespeicher erklärt. Der Analyst schlug vor, dass die europäischen Märkte Projekte für erneuerbare Energien zusammen mit Speicher in „Hybrid-Auktionen“ ausschreiben sollten. Woodmac riet den politischen Entscheidungsträgern, ein Gleichgewicht zwischen der Schaffung von Anreizen für Hybrid-Systemkonfigurationen und dem Freilassen von genügend Raum für den Markt zu finden, um die Entwicklung neuer Dienste und Innovationen zu fördern.

„Hybrid-PPA-Projekte werden sich in dieser Geschichte wahrscheinlich auch weiterentwickeln, wenn Unternehmen beginnen, die Bedeutung einer echten Netto-Nullleistung materiell zu schätzen“, fügte Woodmacs McCarthy hinzu. „Zum Beispiel, nicht nur 100 Prozent erneuerbare Energien durch PPAs und Gutschriften für erneuerbare Energien zu ‚beanspruchen‘, sondern den Stromverbrauch rund um die Uhr in Echtzeit mit der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien abzugleichen. Das haben wir vor einigen Monaten gesehen, als Google sich verpflichtete, bis 2030 ausschließlich mit erneuerbarer Energie betrieben zu werden.“

Quelle: Newsletter pv magazine

Ohne 10,8 Milliarden Euro Bundeszuschuss wäre die EEG-Umlage 2021 auf 9,65 Cent gestiegen

Hauptgründe für den rechnerischen Anstieg sind den Übertragungsnetzbetreibern zufolge ein allgemeiner Verfall der Strommarktpreise sowie der Rückgang des Stromverbrauchs vor allem wegen der Corona-Pandemie. Die von der Bundesregierung im Sommer für 2021 beschlossene Deckelung der EEG-Umlage auf 6,5 Cent soll unter anderem aus dem CO2-Emissionshandel finanziert werden.

Ein Minus von mehr vier Milliarden Euro hatte sich Ende September auf dem EEG-Konto angesammelt. Zu anderen Zeiten hätte das einen gravierenden Einfluss auf die Berechnung der EEG-Umlage im Folgejahr gehabt. 2021 wird das nicht der Fall sein, da die Bundesregierung im Zuge des Corona-Konjunkturpakets die EEG-Umlage bereits auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde festgelegt hat. Allerdings muss sie für diese Stabilisierung knapp 10,8 Milliarden Euro zuschießen. Das zeigen die Zahlen, welche die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion Tennet und TransnetBW am Donnerstag veröffentlicht haben.

Das Geld für diesen Bundeszuschuss soll aus der neuen CO2-Bepreisung im nationalen Emissionshandel sowie dem im Sommer 2020 beschlossenen Corona-Konjunkturpaket kommen. Ohne diesen Zuschuss wäre die EEG-Umlage den Übertragungsnetzbetreibern zufolge auf 9,651 Cent pro Kilowattstunde gestiegen; das sind gut 40 Prozent mehr als die aktuelle EEG-Umlage von 6,756 Cent. Als Hauptgründe für diese Entwicklung nennen die Übertragungsnetzbetreiber den Verfall der Börsenstrompreise sowie den Rückgang beim Stromverbrauch – beides Folgen der Corona-Pandemie. Der vorläufige Nettostrombedarf in Deutschland liege beispielsweise für 2020 etwa acht Prozent unter dem Wert, der im vergangenen Jahr für 2020 angenommen worden war.

Als Grundlage zur Berechnung der EEG-Umlage nutzen die Übertragungsnetzbetreiber die Prognosen für die im Jahr 2021 zu erwartende Einspeisung aus EEG-Anlagen sowie für den zu erwartenden Stromverbrauch. Für das Jahr 2021 ist demnach eine weitere Zunahme von Strom aus regenerativen Anlagen auf etwa 228 Terawattstunden zu erwarten; das entspreche einer Fördersumme von 27,9 Milliarden Euro. Abzüglich der prognostizierten Erlöse an der Strombörse, die insbesondere marktpreisbedingt um 22,3 Prozent gesunken seien, sowie unter Berücksichtigung weiterer Kosten- und Erlöspositionen ergebe sich für 2021 eine prognostizierte Deckungslücke von etwa 26,4 Milliarden Euro. Das würde den Übertragungsnetzbetreibern zufolge einer Kernumlage für 2021 von etwa 7,7 Cent pro Kilowattstunde entsprechen – zusammengesetzt aus etwa 2,8 Cent für Photovoltaik, etwa 1,8 Cent für Energie aus Biomasse, etwa 1,7 Cent für Windenergie an Land und etwa 1,3 Cent für Windenergie auf See. In die finale Umlageberechnung fließen dann noch der Stand des EEG-Kontos zum 30. September sowie die sogenannte Liquiditätsreserve ein, beides erhöht die rechnerische EEG-Umlage nochmal um 1,2 sowie 0,8 Cent pro Kilowattstunde.

Gleichzeitig mit den Zahlen zur EEG-Umlage haben die Übertragungsnetzbetreiber die Offshore-Netzumlage für das Jahr 2021 veröffentlicht. Sie umfasst die Kosten für den Ausbau des Offshore-Netzes in Nord- und Ostsee sowie Entschädigungszahlungen an Anlagenbetreiber, die wegen Störungen oder Verzögerungen entstehen. Diese Offshore-Netzumlage 2021 sinkt im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 0,395 Cent pro Kilowattstunde.

Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass der für 2021 erwartete Zubau von 5,1 Gigawatt Erneuerbare-Energien-Anlagen allein durch Solaranlagen getrieben wird. Der Zubau der Windenergie bleibe wie in den Vorjahren hinter den Zielen zurück. Der von den Übertragungsnetzbetreibern für das Jahr 2021 prognostizierte Gesamtzahlungsanspruch von Betreibern von Erneuerbare-Energien-Anlagen betrage 34 Milliarden Euro, der prognostizierte Vermarktungserlös an der Strombörse jedoch nur 7,2 Milliarden Euro. Somit müssten Förderkosten in Höhe von 26,8 Milliarden Euro durch die EEG-Umlage und den Bundeszuschuss gedeckt werden.

Für Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bedeuten der Bundeszuschuss und die Entlastung der EEG-Umlage durch Einnahmen aus der neuen nationalen CO2-Bepreisung einen Paradigmenwechsel. „Steigen diese Einnahmen, steigen auch die Entlastungen beim Strompreis. Das hat die Bundesregierung im Klimaschutzprogramm 2030 beschlossen. Im nächsten Schritt werden wir die Umlage 2022 auf 6 Cent pro Kilowattstunde senken.“

„Aktuell besteht durch die niedrigen Strombörsenpreise ein Rekorddefizit auf dem EEG-Konto, das einem unangemessenen System aus Abgaben und Umlagen geschuldet ist“, so Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie. Die beschlossene Deckelung der EEG-Umlage wirke sich zwar positiv auf die Bezahlbarkeit der Stromkosten und auf die Energiewende aus. Um die niedrigen Strombörsenpreise auszugleichen, gebe es aber bessere Maßnahmen – beispielsweise eine Finanzierung der Industrieprivilegien über den Bundeshaushalt oder eine deutliche Anhebung der CO2-Preise. Etwa zu einem Drittel sei der rechnerische Anstieg der EEG-Umlage auf Entwicklungen zurückzuführen, die auch unabhängig von Corona stattgefunden hätten, zum Beispiel ein Teil des Preisverfalls der Energierohstoffpreise. „Ein von erneuerbaren Energien getragener Energiemarkt braucht einen anderen regulatorischen Rahmen als ein von fossilen und atomaren Großkraftwerken dominierter Markt. Hier ist ein grundsätzlich neuer Ansatz für ein zukunftsfähiges Strommarktdesign notwendig“, so Peter.

„Wir brauchen eine spürbare und verlässliche Entlastung der Strompreise: Die EEG-Umlage sollte gesetzlich auf einem Niveau von maximal 5 Cent eingefroren, die Stromsteuer auf das europarechtlich zulässige Minimum gesenkt werden“, so BDEW-Chefin Kerstin Andrae. Es brauche grundsätzlich eine Debatte darüber, wie die notwendige Finanzierung des weiteren Erneuerbare-Energien-Ausbaus langfristig anders organisiert werden könne. „Jedes Jahr ’starrt‘ die Öffentlichkeit auf die Entwicklung der EEG-Umlage und ihren Einfluss auf die Strompreise. Das ist kein Beitrag zur Planungssicherheit für Verbraucherinnen und Verbraucher und auch nicht für die Industrie. In der nächsten Legislaturperiode gehört deshalb eine Reform der Steuer-Abgaben- und Umlagensystematik auf die Tagesordnung.“

Quelle: pv magazine

Rechtsgutachten: Geplante EEG-Novelle verstößt bei Photovoltaik-Eigenverbrauch gegen Europarecht

Das vom Bundesverband Solarwirtschaft beauftragte Rechtsgutachten zeigt an mehreren Stellen auf, dass der vorgelegte Entwurf nicht mit der EU-Erneuerbaren-Richtlinie vereinbar ist. Besonders betroffen sind Prosumer und Betreiber von Anlagen, die ab 2021 aus der EEG-Förderung laufen. Der Verband fürchtet gerade bei Photovoltaik-Dachanlagen einen Markteinbruch, wenn es keine Nachbesserungen gibt.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat für seinen Entwurf für die EEG-Novelle 2021 bislang überwiegend Kritik geerntet. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) hat nun die Kanzlei Valentin, Bredow, Herz mit einem Gutachten beauftragt, inwiefern die Vorlage mit Europarecht vereinbar ist, denn immerhin muss die Bundesregierung bis Mitte 2021 die EU-Erneuerbaren-Richtlinie in nationales Recht umsetzen. Das Ergebnis: Der EEG-Entwurf weist zahlreiche Verstöße auf, gerade wenn es um Photovoltaik-Eigenverbrauch und Prosumer geht und ist daher in mehrfacher Hinsicht europarechtswidrig.

Die Pläne der Bundesregierung, künftig selbst genutzten Solarstrom weiterhin mit der EEG-Umlage zu belegen und diese Regelung nach 20 Jahren Betriebsdauer sogar noch zu verschärfen, verstoßen nach Auffassung der Juristen gegen die EU-Erneuerbaren-Richtlinie. „„Nach der Erneuerbare-Energien-Richtlinie ist der anteilige Selbstverbrauch von Solarstrom durch die Mitgliedstaaten zu unterstützen und nicht zu verhindern. Das im EEG-Entwurf vorgesehene Eigenversorgungsverbot steht dazu in krassem Widerspruch und Abgaben oder Umlagen auf den Selbstverbrauch sind auch nur noch in engen Ausnahmen zulässig“, erklärt Rechtsanwalt Florian Valentin. Die Abschaffung dieser Belastung würde hingegen Betreiber von Photovoltaik-Anlagen in Privathaushalten und Kleingewerbe deutlich entlasten.

Mit vom Kabinett verabschiedeten Entwurf ist vorgesehen, dass bei Photovoltaik-Eigenverbrauch von mehr als 10 Megawattstunden oder Photovoltaik-Anlagen größer 20 Kilowatt weiterhin die anteilige EEG-Umlage gezahlt werden muss. Bei den Post-EEG-Anlagen soll dies unabhängig von der Größe und dem Verbrauch erfolgen. „Die ‚Sonnensteuer´ muss endlich fallen. Sie zählt neben vollkommen überzogenen Messanforderungen zu den größten Hürden für den Weiterbetrieb von einigen hunderttausend Solarstromanlagen, die nach 20 Jahren aus der Solarförderung fallen. Sie behindert die Nachrüstung alter Solarstromanlagen mit Batteriespeichern, E-Tankstellen und Wärmepumpen sowie die Errichtung neuer Solarstromanlagen,“ sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar.

Einen klaren europarechtlichen Verstoß sieht das Gutachten auch im Zusammenhang mit der geplanten Einführung von Ausschreibungen für Dachanlagen. Denn damit wird der Eigenverbrauch aus diesen Anlagen untersagt. Nach dem Europarecht II müsse jedoch solaren Eigenversorgern vielmehr ein diskriminierungsfreier Zugang zu bestehenden Förderregelungen gewährt werden. Gerade mittelständische Unternehmen könnten ansonsten mit ihren Photovoltaik-Plänen ausgebremst werden, fürchtet der Verband.

Der BSW-Solar geht davon aus, dass die Umsetzung des derzeitigen EEG-Entwurfs zu einem Einbruch der Nachfrage bei Photovoltaik-Dachanlagen führen würde. Zudem würden wahrscheinlich zehntausende Photovoltaik-Anlagen vorzeitig außer Betrieb genommen, da es kein wirtschaftliches Anschlusskonzept für den Weiterbetreib nach der 20-jährigen EEG-Förderung gebe. Ohne einen wirksamen Anreiz zur Eigenversorgung mit klimafreundlichem Solarstrom seien weder die Klimaziele noch die Ausbauziele der Bundesregierung für Erneuerbare Energien erreichbar, heißt es vom Verband weiter. Die Forderungen nach Nachbesserungen würden auch von anderen Verbänden wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Verband der mittelständischen Wirtschaft.

 

Quelle: pv magazine

Bundesrat beschließt Initiative zur stärkeren Förderung von Stromspeichern

Niedersachsen hatte die Resolution in die Länderkammer eingebracht. Sie ist einstimmig von den Ministerpräsidenten verabschiedet worden, was als starkes Signal an die Bundesregierung gewertet wird. Der BVES verweist in diesem Zusammenhang nochmal auf die EU-Vorgaben für Speicher, die sich im EEG-Entwurf bislang nicht widerspiegeln.

Bei Experten besteht weitgehende Einigkeit: Wenn die Energiewende in Deutschland gelingen soll, dann braucht es Speicher – und zwar möglichst viele. Die derzeitigen Rahmenbedingungen für den Einsatz von Batteriesystemen im Stromsektor sind jedoch alles andere als vorteilhaft. Niedersachsen hatte deshalb eine Initiative in den Bundesrat eingebracht, die auf der Sitzung am Freitag einstimmig verabschiedet wurde. Die Länder fordern mit der Initiative von der Bundesregierung, die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Nutzung von Speichern zu verbessern und deren Einsatz im Strombereich stärker zu fördern.

„Die große Zustimmung aus den anderen Bundesländern freut mich sehr“, sagte Niedersachsens Umwelt- und Energieminister Olaf Lies nach dem Votum in der Länderkammer. Der einstimmige Beschluss sei gleichzeitig ein starkes Signal an die Bundesregierung und den Bundesrat, das Thema Stromspeicher stärker in den Mittelpunkt zu rücken. „Schon seit Jahren wird beispielsweise darüber diskutiert, eine eigenständige energierechtliche Definition von Speichern zu schaffen und das zwischenzeitliche Speichern von Strom somit dauerhaft von Abgaben und Umlagen zu befreien – passiert ist hier bislang jedoch viel zu wenig“, so Lies weiter. Dies gelte auch für die Vereinbarkeit verschiedener Nutzungsformen der Speicher, um neue Geschäftsmodelle für die Betreiber zu ermöglichen. „Zentrales Ziel des heute gefassten Beschlusses ist, dass die Potenziale von Speichern künftig vielseitiger eingesetzt werden und somit auch zur gezielten Entlastung der Stromnetze sowie zur Stabilisierung des Gesamtsystems herangezogen werden“, erklärte Lies. „Dies kann jedoch nur gelingen, wenn die Speicherbetreiber dafür einen klaren wirtschaftlichen Anreiz erhalten.“

Die gesetzlichen Vorgaben müssten so schnell wie möglich dahingehend überarbeitet werden. Dafür könnte ein laufendes Gesetzesverfahren wie die EEG-Novelle oder ein anderes in Kürze beginnendes Gesetzgebungsverfahren genutzt werden. „Das Thema darf nicht länger aufgeschoben werden“, appellierte Lies an die Bundespolitik.

Der Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES) dankte Niedersachen und speziell Lies für seinen Vorstoß. „Das ist eine tolle Initiative zur richtigen Zeit. Der einstimmige Beschluss des Speicherantrags im Bundesrat ist lautes Signal an Bundestag und Bundesregierung bei der EEG-Novelle jetzt das Richtige zu tun“, sagte BVES-Bundesgeschäftsführer Urban Windelen auf Anfrage von pv magazine. „Mindestanspruch muss es daher sein, wenigstens die EU-Vorgaben korrekt aufzunehmen und umzusetzen.“ In seiner Stellungnahme hatte die BVES zahllose Passagen im Referentenentwurf der EEG-Novelle aufgezeigt, die den Vorgaben aus der EU-Erneuerbaren-Richtlinie nicht gerecht werden. Der Verband fordert seit langem, die Definition von Energiespeichern rechtlich anzupassen und damit den Weg für einen wirtschaftlichen Betrieb frei zu machen. Erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von Speicherprojekten hat momentan etwa, dass zahlreiche Abgaben und Umlagen sowohl für den ein- als auch den ausgespeicherten Strom gezahlt werden müssen. Nach Auffassung des BVES könnten eine Vielzahl der existierenden Hemmnisse in Deutschland beseitigt werden, wenn die Erneuerbaren-Richtlinie der EU eins zu eins in nationales Recht umgesetzt würde. Die EEG-Novelle wäre ein guter Zeitpunkt dafür, denn bis Mitte 2021 muss die Bundesregierung die Vorgaben aus Brüssel in deutsches Recht umwandeln.

Quelle: pv magazine

EEG-Entwurf enthält Anschlussregelung für Post-EEG-Anlagen und Ausschreibungen für PV-Dachanlagen

Mit der Reform soll auch der Rechtsrahmen für Photovoltaik-Anlagen angepasst werden, die ab 2021 aus der EEG-Förderung fallen. Sie sollen für eine Übergangszeit ihren Solarstrom für den Marktpreis abzüglich Vermarktungskosten an den Netzbetreiber verkaufen können. Zudem werden Ausschreibungsmengen für Photovoltaik-Anlagen bis 2028 festgeschrieben. Was im Entwurf fehlt, ist die Abschaffung der EEG-Umlage auf solaren Eigenverbrauch, wie sie in der Erneuerbaren-Richtlinie der EU gefordert wird.

Aus dem Bundeswirtschaftsministerium ist ein erster Entwurf durchgesickert, wie die umfassende Novelle des EEG aussehen soll. Das neue Gesetz soll zum 1. Januar 2021 in Kraft treten. Dies ist insofern wichtig, da dann die ersten EEG-Anlagen nach 20 Jahren aus der Förderung fallen und bisher für diese Anlagen keine passenden Rahmenbedingungen für einen sinnvollen Weiterbetrieb existieren. Der Referentenentwurf, der pv magazine vorliegt, sieht für diese ausgeförderten Anlagen vor, dass sie auch künftig einen Anspruch auf vorrangige Einspeisung haben werden. Zudem wird anerkannt, dass die Direktvermarktung bei kleinen Anlagen derzeit noch unwirtschaftlich ist. Daher sieht der Gesetzentwurf eine Alternative vor. „Diese Anlagenbetreiber können den in der Anlage erzeugten Strom bis Ende 2027 auch dem Netzbetreiber zur Verfügung stellen und erhalten hierfür den Marktwert abzüglich der Vermarktungskosten. Hierdurch werden sowohl ein Abbau dieser Anlagen als auch ein ‚wildes Einspeisen‘ verhindert“, heißt es im Entwurf unter dem Punkt „Einstieg in die ‚Post-EEG-Förderung‘“. Dort steht jedoch auch geschrieben, dass die Bundesregierung den Ausbau der erneuerbaren Energien künftig „so weit wie möglich marktgetrieben“ vorantreiben wolle. Daher werde sie „bis spätestens 2027 einen Vorschlag für einen Umstieg von der finanziellen Förderung auf einen marktgetriebenen Ausbau“ vorlegen.

Weitere Kernelemente des EEG-Entwurfs sind die Verankerung des Ziels, Deutschland bis 2050 treibhausgasneutral zu machen. Zudem soll das „Klimaschutzprogramm 2030“ mit der Novelle umgesetzt werden. Dies bedeutet, dass dort verbindlich das Ziel von 65 Prozent erneuerbare Energien am deutschen Stromverbrauch festgeschrieben werden soll. Dafür werden Ausbaupfade für die einzelnen Technologien definiert, um das Ziel zu erreichen. Für die Photovoltaik wird demnach eine Steigerung der installierten Leistung auf 100 Gigawatt angestrebt. Dies wäre fast eine Verdoppelung der aktuell installierten Leistung in Deutschland. Für Windkraft an Land ist das Ziel von 71 Gigawatt und für Offshore-Windkraft von 20 Gigawatt vorgesehen. „Die Ausbaupfade sind teilweise noch ambitionierter als im Klimaschutzprogramm 2030 geregelt, um zusätzliche Sicherheit bei der Erreichung des 65-Prozent-Ausbauziels zu schaffen“, heißt es weiter. Für die einzelnen Technologien sind im Gesetzentwurf jeweils Ausschreibungsmengen bis 2028 festgelegt.

Wenn man sich die im Entwurf enthaltene Tabelle anschaut, dann sind für Photovoltaik-Anlagen in den Jahren 2021 bis 2028 jeweils Ausschreibungsmenge zwischen 1,9 und 2,8 Gigawatt vorgesehen. Die Mengen erhöhen sich vor allem ab 2025 stetig. Angesichts der derzeitigen Flaute beim Ausbau der Windkraft ist allerdings fraglich, ob die insgesamt ausgeschriebenen Mengen reichen werden, um einen Erneuerbaren-Anteil von 65 Prozent bis 2030 zu realisieren. So sollen für die Windkraft an Land bereits im kommenden Jahr 4,5 Gigawatt ausgeschrieben werden, in den Jahren danach dann zwischen 2,9 und 5,8 Gigawatt. Derzeit werden wegen Akzeptanzproblemen jedoch kaum neue Windparks in Deutschland realisiert und die Ausschreibungen sind regelmäßig unterzeichnet. Dies will die Regierung auch mit dieser Novelle lösen und zusätzliche Standorte für Windkraftanlagen freigeben.

Die Tabelle aus dem EEG-Entwurf zeigt zudem, dass es künftig separate Ausschreibungen für Photovoltaik-Dachanlagen geben soll. Bislang müssen Dachprojekte mit Freiflächenanlagen in den Ausschreibungen ab 750 Kilowatt direkt konkurrieren und haben zumeist wenig Chancen. Für 2021 und 2022 plant die Regierung nun, jeweils 200 Megawatt für Dachanlagen separat auszuschreiben. Das Volumen wird dann in den Folgejahren noch deutlich steigen; 2028 soll es 1,2 Gigawatt erreichen. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) weist darauf hin, dass mit diesem geringen Ausschreibungsvolumen – gerade in den ersten Jahren – der Markt für große Dachanlagen deutlich ausgebremst würde. Nach den Zahlen der Bundesnetzagentur sind allein im vergangenen Jahr 1,12 Gigawatt an Photovoltaik-Anlagen mit 500 bis 750 Kilowatt Leistung neu gemeldet worden.

Mit der Ausweitung der Ausschreibungen will die Bundesregierung die Kostenentwicklung weiter dämpfen. Sie plant daher auch, die Höchstwerte in den Ausschreibungen für Photovoltaik-Anlagen von derzeit 7,50 auf 5,90 Cent pro Kilowattstunde bei Freiflächenanlagen zu senken. Bei Dachanlagen ist im Entwurf ein Höchstwert von 9,00 Cent pro Kilowattstunde als Höchstwert vorgesehen. Zudem will die Regierung eine schnellere Reaktion des atmenden Deckels bei der Solarförderung auf die Kostenentwicklung bei Photovoltaik-Anlagen erreichen. Mit einer Erweiterung der Flächenkulisse bei der Ausschreibung von Solarparks will sie dem Entwurf zufolge zudem den Wettbewerb bei den Photovoltaik-Ausschreibungen weiter erhöhen. Es ist auch eine Anhebung der zulässigen Leistung von 10 auf 20 Megawatt im Entwurf für Freiflächenanlagen in Ausschreibungen vorgesehen.

Zudem will die Bundesregierung künftig auf die gemeinsamen Ausschreibungen von Photovoltaik und Windkraft an Land verzichten. Diese sollten in die Innovationsausschreibungen integriert werden, deren Volumen erhöht werde. 2021 sind für diese Auktionen insgesamt 500 Megawatt vorgesehen und bis 2028 steigt das Volumen jährlich um 50 Megawatt auf dann 850 Megawatt.

Zur Stärkung der Netz- und Marktintegration der erneuerbaren Energien sind in dem Entwurf ebenfalls mehrere Maßnahmen vorgesehen. So soll „die gleitende Marktprämie weiterentwickelt und die Vergütung von Erneuerbare-Energien-Anlagen bei negativen Börsenpreisen für Neuanlagen abgeschafft“ werden, heißt es im Entwurf. Damit wolle die Regierung neue Anreize für Speichertechnologien und Innovationen setzen. Auch sollen die Anforderungen an die Steuerbarkeit der Anlagen ausgeweitet und die Digitalisierungsstrategie über Smart-Meter-Gateways konsequent fortgesetzt werden.

Mit der EEG-Novelle 2021 sollen auch längst zugesagte Nachbesserungen für Photovoltaik-Mieterstrom realisiert werden. So wird es künftig auch für große Photovoltaik-Mieterstromprojekte wieder eine Vergütung geben. Für Anlagen bis 750 Kilowatt ist ein Zuschlag von 1,42 Cent pro Kilowattstunde vorgesehen. Bei kleinen Projekten bis 10 Kilowatt Leistung wird er bei 2,66 Cent pro Kilowattstunde liegen.

Was in dem Entwurf zunächst nicht zu finden ist, ist die Umsetzung der Erneuerbaren-Richtlinie der EU. Diese schreibt vor, dass solarer Eigenverbrauch aus Photovoltaik-Anlagen bis 30 Kilowatt nicht mit Umlagen und Abgaben belastet werden darf. Eigentlich muss die Bundesregierung dies bis Mitte 2021 in nationales Recht umsetzen.

Im Entwurf sind dagegen einzelne Punkte zur EEG-Umlage enthalten. So soll die Produktion von grünem Wasserstoff von der EEG-Umlagezahlung befreit werden. Gleichzeitig müsse jedoch sichergestellt werden, dass die EEG-Umlage dadurch nicht steige, heißt es im Entwurf. Zur Erarbeitung der erforderlichen Rahmenbedingungen sei im August ein Dialogprozess eröffnet worden. Überdies soll mit der EEG-Novelle auch die Besondere Ausgleichregelung für energieintensive Industrien weiterentwickelt werden. Mit der mittelfristig geplanten Absenkung der EEG-Umlage könnten Unternehmen aus dieser Begünstigung herausfallen. Dies will die Bundesregierung verhindern, um den Unternehmen in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten keine zusätzliche Unsicherheit aufzuerlegen, wie es im Entwurf weiter heißt.

Quelle: pv magazine

Rekordanteil von 55,8 Prozent Erneuerbare an Nettostromerzeugung im 1. Halbjahr

Die Windkraft allein kam auf einen Anteil von mehr als 30 Prozent, wie das Fraunhofer ISE ermittelt hat. Aber auch die Erzeugung der Photovoltaik-Anlagen stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich an und erreichte im ersten Halbjahr 11,4 Prozent. Auf dem absteigenden Ast befanden sich dagegen die Kohlekraftwerke.

Die Erneuerbaren erreichten mit 55,8 Prozent einen Rekordanteil an der Nettostromerzeugung im ersten Halbjahr 2020. Dies ist ein starker Anstieg gegenüber den 47 Prozent aus dem Jahr 2019, wie das Fraunhofer-Institut für Solar Energiesysteme ISE ermittelte. Im Monat Februar erreichten Photovoltaik und Windkraft sogar einen Anteil von 61,8 Prozent. Nach Auswertungen des Fraunhofer ISE dürfte auch der Anteil der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung bei mehr als 50 Prozent in einem Halbjahr gelegen haben.

Die Witterungsbedingungen seit Jahresanfang waren besonders günstig für die Erzeugung von Windstrom. Es wurden 75 Terawattstunden produziert, was eine Steigerung um 11,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum darstellt. Allein die Windkraft erreicht so einen Anteil von rund 30,6 Prozent an der Nettostromerzeugung im ersten Halbjahr 2020, im Februar lag er sogar bei 45 Prozent, wie das Fraunhofer-ISE berichtet.

Auch die Photovoltaik-Anlagen liefen besonders zwischen April und Juni auf Hochtouren und produzierten jeweils mehr als 6 Terawattstunden. Insgesamt sind etwa 27,9 Terawattstunden Solarstrom in den ersten sechs Monaten produziert worden. Dies ist gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 eine Steigerung um 11,2 Prozent und entspricht einem Anteil von 11,4 Prozent in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Die Biomasse verzeichnete dem Fraunhofer ISE zufolge ebenfalls einen leichten Anstieg und kam auf 23,7 Terawattstunden. Rückläufig war hingegen die Produktion aus Wasserkraft, die sich auf circa 9,5 Terawattstunden summierte.

Insgesamt sind aus den erneuerbaren Energiequellen 136,1 Terawattstunden erzeugt worden – nach 125,6 Terawattstunden im ersten Halbjahr 2019. Der starke prozentuale Anstieg ergibt sich auch aus der seit dem zweiten Quartal gesunkenen Stromnachfrage infolge des Lockdowns der Industrie wegen der Corona-Pandemie. Die Last ging nach den Angaben des Fraunhofer-ISE im ersten Halbjahr deutlich von 245,7 auf 234,2 Terawattstunden im Jahresvergleich zurück. Auch die Stromproduktion sank um 21,7 auf 243,8 Terawattstunden. Ein Teil des Rückgangs entfalle auf die gesunkenen Exporte.

Während Photovoltaik und Windkraft kräftig zulegten, brach die Erzeugung der Kohlekraftwerke im ersten Halbjahr drastisch ein. Braunkohlekraftwerke produzierten etwa 33,6 Terawattstunden netto. Das sind 19,1 Terawattstunden oder 36,3 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2019, wie es von den Freiburger Forschern heißt. Die Nettoproduktion aus Steinkohlekraftwerken brach um 46 Prozent auf nur noch 14,4 Terawattstunden ein. Die Ursachen für diese Entwicklung seien die gestiegenen Kosten für CO₂-Zertifikate, die durchschnittlich bei 21,91 Euro pro Tonne CO₂ lagen sowie der stark gesunkene Day-Ahead-Börsenstrompreis, der im ersten Halbjahr nur bei durchschnittlich 22,94 Euro pro Megawattstunde* lag. Bei einer Emissionen-Belastung von etwa 1 Tonne CO₂ pro erzeugter Megawattstunde Kohlestrom sei die Wirtschaftlichkeit der Kohlekraftwerke kaum mehr gegeben.

Hinzu kommt auch noch die Halbierung des Gaspreises in diesem Zeitraum auf gut 8 Euro pro Megawattstunde. Da Erdgaskraftwerke geringere CO2-Zertifikatskosten haben, fand ein „Fuel Switch“ von Kohle zu Erdgas statt, wie es von den Freiburger Forschern hieß. Die Produktion der Gaskraftwerke stieg so um knapp 14 Prozent auf 28 Terawattstunden im ersten Halbjahr. Die Erzeugung der AKW ging hingegen weiter zurück. Sie lagen mit 30,1 Terawattstunden fast 13 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraum.

Die Bruttoerzeugung enthält auch die Eigenerzeugung der Industrie – Betriebe im verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden – sowie die internen Verluste der konventionellen Kraftwerke. Beide Anteile werden nicht in das öffentliche Stromnetz eingespeist und nicht bei den Werten zur Nettostromerzeugung berücksichtigt, die den Strommix abbildet, der aus der Steckdose kommt.

Quelle: pv Magazine

7-Punkte-Fahrplan für Photovoltaik-Marktwachstum in der Post-Deckel-Ära

Mit der Streichung des 52-Gigawatt-Deckels ist die aktuell größte Gefahr für den Photovoltaik-Zubau in Deutschland gebannt. Doch um ein wirklichen Nachfrageschub auszulösen, braucht es weitere Maßnahmen. Der Bundesverband Solarwirtschaft hat sieben dringende Themenfelder definiert.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) zeigt sich erleichtert, nachdem der Bundestag nach elend langen neun Monaten endlich den Weg frei gemacht hat für die Abschaffung des 52-Gigawatt-Deckels im EEG. Damit ist zunächst ein Markteinbruch abgewendet. Nach der Entscheidung im Bundesrat Anfang Juli kann der Passus endgültig und ersatzlos aus dem EEG entfernt werden.

Doch eigentlich geht es noch um mehr als die Abwendung eines Markteinbruchs: Deutschland braucht mit Blick auf den anvisierten Atom- und Kohleausstieg deutlich mehr Photovoltaik-Zubau in den kommenden Jahren. Daher hat der BSW-Solar am Tag nach der Entscheidung im Bundestag auch gleich einen „7-Punkte-Fahrplan zur Solarisierung der Energieversorgung“ vorgelegt. „Die Solar- und Speicherbranche könnte damit deutlich kraftvoller dazu beitragen, dass die Klimaziele im Stromsektor erreicht werden und die Versorgungssicherheit kosteneffizient gewährleistet wird“, sagt Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Mit einer Beschleunigung des Photovoltaik- und Speicherausbaus könnten zudem mindestens 50.000 neue Vollzeitjobs in der deutschen Energiebranche geschaffen werden.

Der erste der sieben Punkte ist eine Verdreifachung der Photovoltaik-Kapazitäten in Deutschland bis 2030. Dazu müsse mit der anstehenden EEG-Novelle das Ausbauziel von jährlich 2,5 auf mindestens 10 Gigawatt angehoben werden, heißt es in dem Papier. Zudem müssten weitere Marktbarrieren fallen. Der Verband zählt etwa die Belastung von solarem Eigenverbrauch mit der EEG-Umlage auf. Aber auch die Standortbeschränkungen für Solarparks in den Ausschreibungen hemmten die Photovoltaik-Marktentwicklung in Deutschland. Zudem sei eine Anhebung der Bagatellgrenze für Dachanlagen bei der Festvergütung hilfreich. Bisher müssen alle Dachanlagen mit mehr als 750 Kilowatt Leistung in den Ausschreibungen mit Freiflächenanlagen um einen Zuschlag konkurrieren. Zudem ist Eigenverbrauch bei Ausschreibungsanlagen bislang nicht zulässig.

Im dritten Punkt seines Fahrplans fordert der BSW-Solar die kurz- und langfristigen Speicherkapazitäten bis 2030 zu verzehnfachen. Dieser Markt wachse zwar derzeit dynamisch, allerdings gebe es zahlreiche Hemmnisse, die für den weiteren Markthochlauf dringend beseitigt werden müssten. Desweiteren spricht sich der Verband dafür aus, Anreize für Doppelnutzungskonzepte zu schaffen, etwa für schwimmende Solarparks oder Agro-Photovoltaik-Anlagen, um deren Markteinführung zu beschleunigen.

Angesichts des sich in Deutschland langsam entwickelnden PPA-Marktes, der den Bau von Photovoltaik-Anlagen außerhalb der EEG-Förderung ermöglicht, setzt sich der BSW-Solar für die Einführung von CO2-Mindestpreisen ein. Es müssten faire Investitionsbedingungen für die Photovoltaik auf dem Strommarkt geschaffen werden. Der durch starke Preisschwankungen gekennzeichnete europäische Emissionshandel biete zu wenig Investitionsimpulse und gleiche Marktverzerrungen zuungunsten erneuerbarer Energien nur unzureichend aus, heißt es zur Begründung. Er bilde zudem auch nur einen Bruchteil der Gesundheits- und Klimafolgenkosten fossiler Energieträger ab.

Darüber hinaus setzt sich der BSW-Solar für einen diskriminierungsfreien Weiterbetrieb von „Ü20-Anlagen“ ein, also Anlagen, die ab 2021 aus der EEG-Förderung fallen. Die Betreiber dieser Anlagen benötigten keine Anschlussförderung mehr, wohl aber die Freistellung von Umlagen und Abgaben für den eigenverbrauchten Solarstrom sowie die Erstattung eines fairen Marktwertes für den eingespeisten Überschussstrom. Der siebte Punkt des Fahrplans zielt auf die Sektorenkopplung ab. Hier sollten „die riesigen Potenziale des Multitalents Photovoltaik“ konsequent erschlossen werden, fordert der Verband.

Quelle: pv magazine

Solardeckel kurz vor Öffnung

Die Wirtschafts- und Energiepolitiker des Deutschen Bundestages haben sich nach monatelangen zähen Verhandlungen vor wenigen Minuten mehrheitlich für eine umgehende und ersatzlose Abschaffung des andernfalls in Kürze erreichten Förderstopps für neue Solarstromanlagen ausgesprochen. Der Bundesverband Solarwirtschaft e. V. (BSW) begrüßt die heute früh im federführenden Wirtschaftsausschuss getroffene Entscheidung zur Streichung des 52 Gigawatt-Solardeckels im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Der BSW erwartet eine entsprechende Beschlussfassung in der morgigen Sitzung des Deutschen Bundestages und nachfolgend am 3. Juli im Bundesrat.

"Wir freuen uns über das große Engagement einiger Wirtschafts- und Umweltpolitiker in dieser Frage. Gut, dass andere noch gerade rechtzeitig über ihren Schatten gesprungen sind. Sie entsprechen damit dem gesellschaftsübergreifenden Willen einer überwältigenden Bevölkerungsmehrheit. Mit der Streichung des Förderdeckels wird endlich eine der größten Investitionsbarrieren der Energiewende beseitigt. In den vergangenen Jahren und Monaten hat der Solardeckel Milliardeninvestitionen in die Solarwirtschaft am Standort Deutschland blockiert und großen Schaden angerichtet,“ erklärte BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig anlässlich der heutigen Entscheidung.

Der BSW forderte die Bundesregierung zugleich auf, der heute initiierten EEG-Novelle zur Abschaffung des Solardeckels spätestens im Herbst eine große Gesetzesreform folgen zu lassen. Diese müsse für die Abschaffung weiterer Marktbarrieren und eine deutliche Beschleunigung des Photovoltaik- und Speicherausbaus genutzt werden.

Bonner Marktforscher hatten erst am Montag vor einer Stromerzeugungslücke für den Fall gewarnt, dass das Tempo des jährlichen PV-Ausbaus nicht bereits im kommenden Jahr mindestens verdoppelt und im übernächsten Jahr sogar verdreifacht werde (wir berichteten). Körnig: „Die gesetzlich fixierten Photovoltaik-Ausbauziele verharren noch immer auf dem viel zu niedrigen Niveau des Jahres 2010, obwohl sich die Kosten schlüsselfertiger Photovoltaik-Systeme seitdem um mehr als zwei Drittel reduziert haben, ein Atom- und Kohleausstieg beschlossen wurde und die Klimaziele deutlich verschärft wurden. Die Solar- und Speicherbranche steht bereit, binnen weniger Jahre 50.000 neue Jobs in Deutschland zu schaffen, wenn diese Diskrepanz endlich beseitigt wird.“

Die nun in einem Änderungsantrag zum Gebäudeenergiegesetz initiierte EEG-Änderung (S. 7, Artikel 8) sieht vor, dass der in Paragraf 49 Absatz 5 und 6 enthaltene Förderdeckel für neue Solarstromanlagen ersatzlos gestrichen wird. Der BSW setzt sich seit Jahren mit Nachdruck für eine Beseitigung der Marktbarriere ein und initiierte mit dieser Zielsetzung u. a. zahlreiche offene Briefe, zuletzt sogar eine Verfassungsbeschwerde. Diese wird zurückgezogen, sobald das Gesetz im Bundestag verabschiedet wurde.

BSW-Mitglieder werden informiert, sobald der Bundestag die Gesetzesänderung beschlossen hat. Dem Vernehmen nach wird das in den morgigen Abendstunden der Fall sein.

 

Quelle: BSW Solar

Gewaltiger Erfolg bei der Photovoltaik durch 20 Jahre EEG

20 Jahre EEG. Das ist für viele ein Grund zum Feiern, für die Gegner ein Grund zum Fluchen. Egal, wie die jeweilige Einschätzung des EEGs aussieht: Der Erfolg des EEGs ist bei der Photovoltaik ist gewaltig und wird die Welt für immer zum Guten verändern: Solarstrom ist bereits jetzt die billigste Energiequelle der Welt und massenverfügbar.

Feuerwerk des EEG-Erfolgs: Deutschland hat der Welt die Photovoltaik gebracht

Aus einem „Abfallempfänger“ der globalen Chipindustrie ist eine eigene, starke Solar-Silizium- Produktion geworden, bei der das deutsche Unternehmen Wacker Chemie noch immer die Nummer zwei der Welt ist.

Ein Standardmodul – „Arbeitspferd“ – hatte im Jahr 2000 130 Wattpeak pro Quadratmeter/qm (beste Werte), im Jahr 2020 sind wir bei 200 Wattpeak pro Quadratmeter – dabei stieg die Leistung pro Moduleinheit von rund 80 auf 320 Wattpeak. Es gibt sogar schon – von der Fläche etwas größere – Spitzenmodule mit 500 Wattpeak auf dem Markt.

Die Wechselrichtereffizienz hat sich von 80 auf 99 Prozent erhört, somit ist der Ertrag pro Kilowattpeak um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Durch die Weiterentwicklung der Leistungselektronik in den Anlagen ist es heute möglich, auch Anlagen mit Verschattungen beispielsweise im Winterhalbjahr aktiv zu planen. Dies führt zu einer zwei- bis zuweilen dreifachen Flächeneffizienz bei Freiland- oder Flachdachanlagen verglichen mit dem Stand von vor 20 Jahren.

Die Kosten pro Kilowattpeak Leistung einer PV- Anlage sind von über 12.000 Euro Ende der neunziger Jahre auf „ab 500 Euro pro Kilowattpeak in großen Megawattanlagen“ gefallen.

Die Preise pro Kilowattstunden Solarstrom fielen von über 50 Cent/Kilowattstunde für die im Jahr 2000 alle kleinen Anlagen auf Einstiegspreise in Megawattanlagen von 1,5 Cent/Kilowattstunde (Dubai) und unter 4 Cent/Kilowattstunde in Deutschland gefallen.

Der Weltmarkt ist aufgrund des deutschen. EEGs von etwa 500 Megawatt im Jahr 2000 auf über 123 GW in 2019 gestiegen. Die Produktionskapazitäten werden weiterhin massiv ausgebaut, so dass wir in 2021 schon bei über 200 Gigawatt „State-of-the-Art“-Produktionskapazitäten liegen werden. Auch 500 Gigawatt Zubau/Jahr sind in diesem Jahrzehnt zu erwarten, das wäre dann das Tausendfache des Zubaus des Jahres 2000.

Dank der von Deutschland billig gekauften Photovoltaik haben bereits jetzt über 100 Millionen Menschen erstmals bezahlbaren und verlässlichen Zugang zu Elektrizität. Die Lebensumstände dieser Menschen verbessern sich dadurch erheblich und der Ausbau der dezentralen Solaranlagen beschleunigt sich weiter.

Aus 100 Megawatt werden 10.000 bei niedrigsten Kosten

Die maximal 100 Megawatt, die am 1. Januar 2021 aus der EEG- Vergütung fallen, schaffen in der Umlage den Raum für bis zu 10 Gigawatt an neuen Freilandanlagen (gleitende Marktprämie) – wenn das kein großer Erfolg eines Gesetzes ist.

Solarstrom aus Photovoltaik-Freiflächenanlagen kostet deutlich weniger als Strom aus KWK-Anlagen, was jüngst Berechnungen des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (bne) gezeigt haben. Strom aus neuen Kernkraftwerken kostet ein Vielfaches, wie man in Großbritannien oder Frankreich sehen kann.

Da Solarstrom inzwischen deutlich günstiger ist als Kohlestrom, werden in einigen Ländern die Kohlekraftwerksausbaupläne reduziert, bestehende Kohlekraftwerke laufen seltener. In einigen Ländern werden bereits überhaupt keine Kohlekraftwerke mehr zugebaut, da sie sich nicht mehr rechnen. Solarstrom entwickelt sich damit zu der wichtigsten Klimaschutztechnologie überhaupt.

Der Erfolg fiel keineswegs vom Himmel, er war hart umkämpft, vor allem aber beruhte er auf wichtigen strategischen Annahmen, aus denen sich einiges lernen lässt.

Lessons learned statt EEG-Nostalgie – Was waren die entscheidenden Grundlagen für den Erfolg, aus denen sich lernen lässt?

Die Ausgangslage war im Jahr 1999 denkbar schlecht. Der noch unter der Regierung von Helmut Kohl (CDU) frisch geschaffene Energiemarkt bot keine Anreize für Erneuerbare. Eine Internalisierung der CO2-Kosten gab es nicht, nicht einmal einen schwachen Emissionshandel. Das Stromeinspeisungsgesetz war doppelt gedeckelt und der für das Stromeinspeisungsgesetz zuständige neue Wirtschaftsminister Werner Müller hielt – wie sein Ministerium – nichts von der Energiewende und erneuerbaren Energien. Letztere waren zudem vergleichsweise teuer, was insbesondere für die Photovoltaik zutraf, deren Kosten damals bei über 80 Cent lagen. Die hohen Kosten wurden auch von vielen Wirtschaftspolitikern der SPD kritisch beäugt, welche wiederum zum Teil Freunde der Kohle waren.

Wie es gelang, trotz dieser schwierigen Ausgangslage ein funktionierendes EEG zu entwerfen und politisch umzusetzen, ist eine spannende Geschichte für sich. An dieser Stelle soll lediglich herausgestellt werden, dass es aus Sicht der Erneuerbaren-Freunde in den damaligen Regierungsfraktionen SPD und Grüne entscheidend war, technologiespezifische Märkte zu schaffen, die eine Massenproduktion anregen sollten, um eine Kostenspirale nach unten zu bewirken. Das bis dahin geltende Stromeinspeisungsgesetz hatte zuvor bereits bei der Windenergie eine solche Dynamik entfaltet, welche fortgesetzt werden sollte.

Die strategische Überlegung war einfach. Über einen ausreichend großen Markt sollte eine größere Nachfrage geschaffen werden; diese wiederum sollte Investitionen in neue oder größere Fabriken anreizen, in denen kostengünstiger Strom erzeugt werden kann. Wachsende, schrittweise größere Unternehmen sollten mehr Geld für Forschung und Entwicklung nehmen und gemeinsam mit Forschungseinrichtungen die technologische Entwicklung vorantreiben. Es lag auf der Hand, dass die Vergütungen technologiespezifisch sein müssten, sonst würde niemand in die teuersten Technologien investieren.

Der Begriff „technologiespezifisch“ trifft die damaligen Überlegungen und Umsetzung im EEG nicht ganz korrekt. Die Abgrenzung verlief vielmehr entlang der Energieformen. Windenergie, Solarenergie, Wasserkraft, Bioenergie, Geothermie und als Zugeständnis an die Kohlefreunde in der SPD, das Grubengas. Innerhalb dieser abgegrenzten Energieformen war die Vergütung jeweils technologieneutral. Im Falle der Solarenergie lässt sich das leicht darstellen. Vergütet wurde Strom aus Solarenergieanlagen, unabhängig davon, ob Photovoltaik-Anlagen oder Anlagen mit solarthermischer Stromerzeugung. Und der Gesetzgeber sah auch absichtlich davon ab, welche spezifische Technologien zu fördern. Dies bedeutet die konventionelle Siliziumtechnologie bekam genauso viel Vergütung wie die damals von vielen favorisierte Dünnschichttechnologie. Auch bei der Windenergie spielte es keine Rolle, ob vertikal oder horizontal, ob drei Flügel, zwei oder nur einer. Die beste Technologie sollte sich am Markt durchsetzen. Aber in jeder Energieform der erneuerbaren Energien sollte es einen eigenen harten Wettbewerb geben.

Der Gedanke, dass die Erneuerbaren gegeneinander antreten sollten, war den Autoren damals fremd. Mehr noch. Ihnen war klar, dass es grundverkehrt wäre, die aktuellen Kosten der jeweiligen erneuerbaren Energien als Ausgangspunkt zu nehmen. Deutlich wichtiger war es, die Kostensenkungspotenziale zu heben. Anders ausgedrückt: Die Kosteneffizienz wurde nicht wie so oft statisch betrachtet, sondern dynamisch. Das wurde damals und in den Folgejahren immer wieder von Apologeten der statischen Effizienz scharf kritisiert. Im Extremfall wurde das ganze EEG als kostenineffizient abgelehnt und darauf verwiesen, man solle mit dem Geld besser Häuser dämmen, was wiederum mit Styropor am kostengünstigsten ist. Diesen extremen statischen Ansatz einer Kosteneffizienz könnte man polemisch als Styroporisierung der Strategie bezeichnen oder als Anti-Innovationsstrategie.

Vergleichbares kann man heute sehen, wenn die Kosten von Autos mit Verbrennungsmotoren mit Elektroautos verglichen werden, obwohl eigentlich völlig klar ist, dass in einigen Jahren Elektroautos deutlich kostengünstiger als Verbrenner sein werden. Unter Innovationsgesichtspunkten greift auch die Kritik an der Förderung von Elektroautos zurück, wonach davon vor allem Wohlhabendere profitieren. Durch Innovationen und Skaleneffekte werden auch hier wie bei der Photovoltaik oder dem Mobiltelefone Kostensenkungen angereizt, die später vielen zu Gute kommen.

Aber zurück zur damaligen Ausgangslage. Kostensenkung und Innovation waren zentrale Ziel der damaligen Gesetzgeber. Damit lag aber auch auf der Hand, dass das EEG selbst dynamische Elemente beinhalten muss, damit die erwartete Kostensenkung abgebildet werden kann. Hierzu wurden zwei Korrekturmechanismen geschaffen. Zum einen sollte alle paar Jahre im Rahmen einer Evaluation die Kosten der Technologien erfasst und die Vergütungen angepasst werden. Damit in der Zwischenzeit Kosten und Vergütungen nicht zu weit auseinander laufen, wurden auf Vorschlag der Grünen – jährliche Degressionsraten eingeführt; das heißt Prozentsätze, um die die Vergütungen bei den einzelnen erneuerbaren Energien jährlich reduziert werden. Damit sollte also die erwartete Lernkurve grob vorweggenommen werden.

Diese jährlichen Reduktionen hatten einen beabsichtigten positiven Nebeneffekt. Ohne diese Degression hätten die Käufer immer einen Anreiz gehabt, mit ihrer Investition zu warten, bis die Technologie günstiger wird. Gerade bei der Photovoltaik mit ihrer erwarteten steilen Kostenkurve hätte dies aber dazu geführt, dass die Investition immer wieder aufgeschoben würde. Mit der jährlichen Degression in Höhe von 5 Prozent wurde dieser Attentismus erfolgreich durchbrochen. Es wurde deutlich schneller investiert, als die damaligen Autoren gedacht hatten. Der Weg zur Massenproduktion war frei gemacht.

Jahre später verlief die Kostensenkung bei der Photovoltaik bei gleichzeitig fallenden Zinssätzen so schnell, dass die Renditen nach oben schnellten. Die Installationszahlen gingen steil nach oben und damit auch die Kosten für die EEG-Umlage, da die Kosten je Kilowatt zwar schnell fielen, aber im Vergleich zum Börsenpreis immer noch sehr hoch waren. Dies konnte über eine marktorientierte flexible Degression (sogenannter „atmender Deckel“) aufgefangen werden, der von den Grünen in der Opposition entwickelt worden war. Politische Fehler in Kombination mit einer ungeschickten Lobbypolitik führten aber dazu, dass die regulatorischen Anpassungen mit zeitlichen Verzögerungen verliefen. Die daraus resultierenden Kosten bei der EEG-Umlage wurden von den politischen Gegnern des EEGs im Allgemeinen und der Photovoltaik im Besonderen zum Anlass genommen, die Vergütung soweit zu reduzieren, bis die Nachfrage zusammenbrach.

Doch die Kostensenkung bei der Photovoltaik ging weiter, da inzwischen andere Auslandsmärkte die Rolle des deutschen Marktes übernommen haben. Die Dynamik geht weiter. Die Kosten sinken und sinken, neue globale Absatzmärkte entstehen und heizen die Nachfrage und die Produktion an. In Deutschland sind Photovoltaik-Anlagen im multi-100-Megawatt-Bereich in der Entwicklung, deren Strom ohne EEG-Zahlungen verkauft wird. Die Kosten liegen deutlich unterhalb der staatlich auf 10 Megawatt reduzierten Anlagen, die damit künstlich teuer gehalten werden.

Bei Dachanlagen spielt der Eigenverbrauch eine immer größere Rolle. Die Erfolgsgeschichte geht weiter, in Deutschland und immer mehr anderen Ländern, in denen die Photovoltaik zur kostengünstigsten Form der Stromerzeugung wird. Dadurch hat der Klimaschutz eine Chance, die er ohne das EEG mit seinen induzierten Innovationen und Kostensenkungen in dem erforderlichen Zeitraum nie gehabt hätte. Parallel finden andere Entwicklungen statt, darunter die Kostensenkungen bei der Batterie, welche in Kombination mit der Photovoltaik wieder neue Absatzmärkte eröffnen. Das Ende der Innovationsspirale ist noch lange nicht erreicht.

Quelle: pv magazine

Erneuerbare erreichen 52 Prozent Anteil von Bruttostromverbrauch im ersten Quartal

Der gestiegene Anteil von Windkraft, Photovoltaik & Co. ist nach Angaben des ZSW und BDEW auf große Sondereffekte zurückzuführen. So gab es günstige Windbedingungen im Februar und außergewöhnlich viele Sonnenstunden im März. Dazu kommt, dass infolge der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie der Industrieverbrauch in den vergangenen Tagen deutlich zurückgegangen ist.

Im ersten Quartal deckten die erneuerbaren Energie 52 Prozent des Bruttoinlandsverbrauchs, wie die vorläufigen Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigen. Vor Jahresfrist betrug der Anteil noch 44,4 Prozent. Der stark gestiegene Anteil ist allerdings auf mehrere Sondereffekte zurückzuführen. So habe es im Februar einen „Wind-Rekord“ in Deutschland gegeben und im März ungewöhnlich viele Sonnenstunden, hieß es weiter. Zudem sei in der letzten Märzwoche aufgrund der Corona-Krise die Industrieproduktion und Konjunktur rückläufig gewesen, was zu einem Rückgang des Stromverbrauchs um ein Prozent auf rund 148 Milliarden Kilowattstunden gegenüber dem Vorjahresquartal führte.

Im Vergleich sank die Bruttostromerzeugung sogar um sieben Prozent und lag bei 158 Milliarden Kilowattstunden, wie ZSW und BDEW am Mittwoch mitteilten. An diesem Wert gemessen lag der Anteil der erneuerbaren Energien im ersten Quartal bei 48,5 Prozent (siehe Grafik unten). Insgesamt erzeugten Windkraft, Photovoltaik & Co. im ersten Quartal etwa 77 Milliarden Kilowattstunden Strom – rund 10 Milliarden Kilowattstunden mehr als noch im ersten Quartal 2019. Davon entfielen 43 Milliarden Kilowattstunden auf Windparks an Land, mehr als 11 Milliarden Kilowattstunden auf Biomasseanlagen, 9 Milliarden Kilowattstunden stammten aus Offshore-Windparks, 7 Milliarden Kilowattstunden erzeugten die Photovoltaik-Anlagen und 5 Milliarden Kilowattstunden die Wasserkraftwerke. Anteil der Photovoltaik erhöhte sich damit im Jahresvergleich bei der Bruttostromerzeugung von 3,8 auf 4,7 Prozent.

Die Erzeugung der konventionellen Kraftwerke ging um mehr als 20 auf 81 Milliarden Kilowattstunden im Vergleichszeitraum zurück. Dabei fielen vor allem die Abschaltung des AKW Philippsburg 2 um Jahresende 2019 sowie die Überführung von Braunkohlekraftwerken mit einer Gesamtleistung von 760 Megawatt in die Sicherheitsbereitschaft ins Gewicht.

Die deutlich höhere Einspeisung und der Einspeisevorrang von Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen habe in Kombination mit den Stilllegungen fossiler Kraftwerke im vergangenen Jahr zu dem gestiegenen Anteil Erneuerbarer im ersten Quartal geführt. „Angesichts dieser Sondereffekte lässt sich daraus jedoch keine Ableitung für das Gesamtjahr 2020 treffen – zumal das erste Quartal witterungsbedingt regelmäßig eine höhere Erneuerbaren-Quote aufweist“, erklärten ZSW und BDEW.

Sie verweisen darauf, dass die Rekordzahlen in einem starken Kontrast zum aktuellen Ausbau von Windkraft und Photovoltaik stehen. Die Hemmnisse und der 52-Gigawatt-Deckel müssten zügig beseitigt werden. „Die Leistungsfähigkeit der Erneuerbaren ist sehr erfreulich. Allerdings sollten wir uns immer vor Augen halten, dass es sich um eine Momentaufnahme handelt und viele Sondereffekte hineinspielen“, erklärte BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae. Das 2030-Ziel von 65 Prozent Erneuerbaren-Anteil sei ohne politisches Handeln kaum zu erreichen. „Die wirtschaftlich schwierige Situation verschärft den Handlungsdruck zusätzlich: Es muss sichergestellt werden, dass weiterhin in den Ausbau der Erneuerbaren investiert wird, damit sie die Energieversorgung von morgen gewährleisten können.“

Dabei seien Investitionen in erneuerbare Energien auch ein gutes Mittel zur Bekämpfung des wirtschaftlichen Einbruchs durch die Corona-Pandemie. „Bei der Errichtung von Windenergie- und Solaranlagen bleibt im Vergleich zur Nutzung fossiler Energien ein deutlich größerer Anteil der Wertschöpfung im Land. Das wirkt sich positiv auf die Konjunktur und die Unternehmen aus“, ergänzte Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW.

Quelle: pv magazine